Buddha und Welt

Wie werde ich „gläubig“?

Ich kenne zwei Wege:

1) Mich spricht der Gehalt einer Lehre an, denke über sie nach und prüfe sie Schritt für Schritt. Wenn sie mich beim Fortschreiten nicht enttäuscht, nehme ich diesen Glauben schließlich an. Schritt für Schritt verwandle ich Skepsis in Gewissheit. Das ist der typische Weg eines deutschen Intellektuellen: Begeisterung – aber wohldosiert. Der Haken an der Sache könnte hinter der nächsten Ecke lauern.

2) Mich sprechen die Ausübenden an und ich vertraue erst einmal auf die Richtigkeit der Lehre. Ich handle nach ihr und mache meine Erfahrungen. Sind diese positiv, verwandelt sich mein Vertrauen in Gewissheit.

Der Buddhismus ist für beide Wege offen: Ich kann ihn endlos studieren und prüfen. Es gibt keine Dogmen, die dem Verstand oder der Alltagserfahrung zuwiderlaufen. Das macht ihn zugänglich und attraktiv für Skeptiker wie mich. Einerseits. Andererseits aber ist er mit dem Verstand nicht bezwingbar. Es ist wie Aikido: Meine Skepsis greift an und wird elegant auf die Matte geworfen. Nie ist mir ist mir mein Meister Daisaku Ikeda eine Antwort schuldig geblieben, stets haben sich meine Zweifel in Wachstum verwandelt. Das geht schon eine Weile so. Einundzwanzig Jahre.

Nun bin ich meiner eigenen Skepsis müde geworden. Zwar weiß ich: Unser Gehirn füllt gern Lücken. Ein paar zufällige Informationen – und schon entscheiden wir. Ein attraktives Versprechen – und schon regt sich Lust am Vertrauen. Glaube ist billig zu haben. Ich wollte meinen teuer erkaufen.

Doch der Skepsis-Modus macht müde und langsam. Da ist ein Leben, das schwungvoll gelebt werden will. Ich bin aus Erschöpfung gläubig geworden.

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