Buddha und Welt

Die unübertroffene Weisheit des Buddha

In seiner wichtigsten Lehrrede, dem Lotos-Sutra, sagt der Buddha: „Ständig richte ich meinen Sinn darauf, wie ich die Lebewesen dazu bringen kann, in die unübertroffene Weisheit einzutreten, damit sie schnell den Körper eines Buddha verwirklichen können.“

Ich rezitiere diese Zeilen zwei Mal am Tag. Dabei erinnere ich mich, dass ich ständig meinen Sinn darauf richten sollte, wie ich die Menschen dazu bringen kann, in die unübertroffene Weisheit einzutreten. Das gelingt mir nicht ständig. Das ist das Schwierigste überhaupt.

Der Sinn des Buddhismus liegt in der Weitergabe, im Kommunizieren. Wenn zwei zusammenkommen und über die buddhistische Lehre sprechen, dann offenbart sich die „unübertroffene Weisheit“ des Buddha. Meiner Überzeugung nach nur dann. Die einsame Meditation ist weder Selbstzweck noch Endziel, sondern nur die Vorbereitung. Das Eigentliche – wenn man so will die „Erleuchtung“ – verwirklicht sich von Mensch zu Mensch. Wo auch sonst?

So gesehen ist der Buddhismus die missionarischste Religion von allen: Die Erleuchtung ist die Verbreitung und die Verbreitung ist die Erleuchtung. Doch was wird eigentlich verbreitet? Soll ich mich an die Straßenecke stellen und jeden mit Buddhas Lehre behelligen? Das ist weder nötig noch Erfolg versprechend. „Ständig richte ich meinen Sinn darauf“ – das zeugt von tiefem Mitgefühl. Jemand denkt ständig darüber nach, wie er andere weiser machen kann. Und indem er dies tut, tritt er ein in die „unübertroffene Weisheit“ des Buddha. Mitgefühl ist das, was sich verbreitet. Keine Theorie, keine Dogmen, keine Argumente. Zuerst und vor allem Mitgefühl.

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