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Gefährliche Phrase: „Sein volles Potential entfalten“

In der Personalentwicklung, in jedem Coaching-Angebot, in der Selbstverwirklichungsliteratur: Überall wird uns dieser Satz als Vision verkauft. Unendlich viel stecke da in uns, das wir noch nutzen könnten. Doch wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen menschlichem Entfalten und gnadenloser Selbstausbeutung?

Das Versprechen von der Potentialentfaltung siedelt in zwei Sphären – in der spirituellen und in der zweckgerichteten. In der spirituellen Sphäre hält das Versprechen. In der zweckgerichteten Sphäre mündet dieses Versprechen bestenfalls in Enttäuschung, schlimmstenfalls im Burnout.

Was bedeutet „sein volles Potential entfalten“ in der spirituellen Sphäre? Wenn wir im Nichiren-Buddhismus davon sprechen, geht es immer und ausschließlich um das Potential der eigenen Menschlichkeit. Um das Potential an Weisheit, Mitgefühl und Mut, das in uns steckt. Dieses Potential hat tatsächlich jeder Mensch, unabhängig von seinen sonstigen Begabungen. Dieses Potential lässt sich tatsächlich ständig und unendlich erweitern. Wer sich dieser Potentialentfaltung widmet, lebt tatsächlich glücklicher. Er oder sie mag damit auch alle anderen Ziele besser voranbringen, doch das ist zweitrangig.

Gefährlich wird es, wenn ich mein „volles Potential“ außerhalb dieser Sphäre entfalten will, denn dann verzwecke ich es: Ich will mehr leisten. Ich will besser sein in einer bestimmten Disziplin. Noch gefährlicher wird es, wenn andere unser „volles Potential“ für ihre Zwecke entfalten möchten. So wie es, im Sinne der wirtschaftlichen Ausbeutbarkeit, Unternehmen tun. Wer erfahren will, wie gruselig das sein kann, schaue den Film Work Hard, Play Hard. Zwar ist nichts falsch daran, irgendetwas noch besser können oder noch mehr leisten zu wollen, doch meistens werden zwei Dinge übersehen: Hier ist unser Potential 1) endlich, 2) ungleich verteilt. Hier hat unser Potential Grenzen. Wachen wir besser weise darüber. Schließlich gibt es  jede Menge unrealistische, dumme und schädliche Ziele.

In der spirituellen Sphäre kann ich ungefragt und voller Hingabe mein „volles Potential entfalten“. In der zweckgerichteten Sphäre hilft ein gesundes Zögern und die Frage: „Wofür ist das gut?“

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