Eben gelesen

„Auch Schaf im Tigerfell zittert vor Wolf“ von Woh Tzu und Norbert Lechleitner

Als heimlicher Schüler von Woh Tzus Lehren freut es mich, sie endlich übersetzt und veröffentlicht zu sehen. Sein Buch habe ich inzwischen vielen Freunden geschenkt, deren Kloregal es ziert. Sie verdauen nun mit jedem Gang das Leben leichter.

Wenig weiß man über Woh Tzu, diesen Gelehrten aus der Dritten Feng-Shui-Dynastie. Auch nicht so recht, wie seine Perlen – etwa 100 Sinnsprüche – über die Jahrhunderte nach Deutschland gelangten. Man vermutet, dass Charlie Chan, Fernsehdetektiv aus meiner Kindheit, ein später Schüler des Woh Tzu war: Stets gab er am Ende seiner Fälle eine Spruchweisheit zum Besten, die so abgründig wie pragmatisch war – und verdächtig nach Woh Tzu klang. So prägte Woh Tzu indirekt das Denken einer ganzen Generation und seine Saat ist nun aufgegangen: Plötzlich erscheint dieses schmucke Bändchen mit seinen Lehren.

Die Übersetzer haben Woh Tzus Glückskeks-Stil liebevoll bewahrt: strenge Auslassung von Artikeln, starres Subjekt-Prädikat-Objekt-Schema, knappstes Versmaß. So kann sich auch hierzulande diese Blüte des fernen Ostens duftreich entfalten.

Die Woh-Tzu-Forschung steht erst am Anfang, erweiterte Werkausgaben darf man freudig erwarten. Hier ist meine Lieblingsweisheit von ihm, sie begleitet mich seit Jahrzehnte, fehlt aber in diesem Bändchen:

Wenn

Ordnung

im Herzen

Schreibtisch

darf bleiben

Misthaufen.

Erschienen bei Eichborn, 2010, ISBN 978-3821860817, € 9,95

Ähnliche Beiträge

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre Email wird niemals veröffentlicht oder weitergegeben.
Pflichtfelder sind markiert. *

*
*