Buddha und Welt, Eben gelesen

“Investment Punk” von Gerald Hörhan

Wir, die Mittelschicht, sind dumm wie Brot, weil wir glauben, dass Rackerei reich, ein Eigenheim unabhängig und zu viel Geld nur Ärger macht. So lautet Hörhans Botschaft. Dann lässt er sich dazu herab, uns ein paar Investitionstipps zu geben, damit wir endlich zu jammern aufhören und selber reich werden. Solche Ich-habs-geschafft-jetzt-zeig-ichs-euch-Bücher gibt’s bergeweise und eigentlich sind sie nicht der Rede wert. Dieses schon, nicht wegen der Tipps – die sind billig – sondern deshalb:

  • Hörhan verkörpert den Typus, dem dieses System dient. Dies ist der Gewinner unseres globalen Wirtschaftssystems und aller politischen Entscheidungen, die es herbeigeführt haben. Nur ihm nützt unser System. Wir gehen darin tatsächlich vor die Hunde. Dies führt Hörhan auf eindrucksvolle Weise vor.
  • Betrachtet man diesen Typus genauer, fällt eine Besessenheit vom Reichwerden auf, die schon in jungen Jahren einsetzt. Mit dieser Motivation schafft er es auch, früh genug zu einem Batzen Spielgeld zu kommen. Mit dem kann er dann gelassen weiterzocken. Das System schafft ihm die günstigsten Bedingungen dafür.
  • Einmal reich geworden, verachtet dieser Typus die armen Schweine. Das heißt all jene, die am Anfang ihrer Berufslaufbahn nicht reich werden wollten, sondern Kinder unterrichten, Flugzeuge bauen, Krebs bekämpfen oder Bilder malen. Reich werden setzt dieser Typus als einzig gültige Motivation voraus. Der Autor prahlt im ganzen Buch mit seinem aufwendigen Lebensstil. Mehr kann und will er der Welt nicht bieten.
  • Es entgeht dem Autor durchaus nicht, dass er indirekt auf unsere Kosten reich wird. Aber für ihn ist klar: Dieses System ist nicht zu ändern. Entweder man nutzt es zu seinen Gunsten oder man geht unter. Das erleben wir täglich als Tatsache. Durch wertvolle Arbeit erreichen wir nicht einmal mehr einen bescheidenen Wohlstand. Wir haben unsere Welt so geformt. Das ist nicht die Schuld des Autors, er bereichert sich nur am System.

Auch wenn er es mit 500 Tonnen Arroganz rüberbringt – es stimmt: Wir, die Mittelschicht, sind tatsächlich weinerlich, geschwächt und doof. Nicht aus den Gründen, die der Autor anführt, sondern diesen: Weil es verlernt haben, uns zu solidarisieren, weil wir uns nach unten abgrenzen in der Hoffnung, nach oben zu kommen, weil wir ein bisschen so sein wollen wie der Hörhan-Typus, bloß netter. Und nicht einsehen wollen, dass genau diese Mischung scheitert.

Letztlich provoziert dieses Buch die Frage: Gibt es eine Legitimation dafür, andere bis aufs Mark zu schröpfen, wenn diese nicht primär am Reichwerden interessiert und vielleicht „Finanz-Analphabeten“ sind? Momentan schafft das System genau diese Legitimation auf allen Ebenen. Dagegen gälte es zu kämpfen, mit neuen Ideen und einer Haltung, die den Hörhans dieser Welt nicht Ruhm zuteil werden lässt, sondern Schande. Aber dafür sind wir ja – noch – zu doof.

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