Buddha und Welt, Eben gelesen, Selbst bestimmt!

„Humanomics“ von Uwe Jean Heuser

Nehmen wir einmal an, Sie bringen ein paar Leute dazu, auf der Fußgängerzone für eine klasse Sache Spenden zu sammeln. Der erste Tag bringt bereits tolle Ergebnisse. Am zweiten wollen Sie Ihr Team noch stärker motivieren und sagen: „Zehn Prozent des gesammelten Geldes dürft ihr behalten.“ Was passiert?

Laut einer Studie, die Heuser anführt, wird das Engagement Ihres Teams sinken. Warum? Weil plötzlich aus einem idealistischen Einsatz ein Geschäft wird. Das „verbucht“ unser Gehirn nämlich ganz anders: Die Freude am uneigennützigen Tun erlischt und wird in diesem Fall nicht aufgewogen durch die Aussicht auf ein bisschen Profit.

„Humanomics“ ist voller solcher Beispiele aus der Glücksforschung, der Neurowissenschaft und der Spieltheorie. Sie alle entlarven den „Homo Oeconomicus“, den stets rational abwägenden, auf seinen Vorteil bedachten Menschen als das, was er immer schon war: eine Fiktion.

Uwe Jean Heuser erzählt von dem Paradigmenwechsel, der sich in den Wirtschaftswissenschaften vollzieht. Die Märkte werden unüberschaubarer und Werte werden in der Wirtschaft zunehmend durch Beziehungen geschaffen. Um das Geschehen angemessen zu beschreiben, braucht es 1) dynamischere Modelle und 2) ein anderes Menschenbild als den „Homo Oeconomicus“.

Sympathisch an Heuser ist, wie unaufgeregt er den Stand der Dinge beschreibt, der, wie er zugibt, sich nur schemenhaft abzeichnet. Er prescht nicht so weit vor wie zum Beispiel Richard Layard, der in seinem Buch „Die glückliche Gesellschaft“ bereits einen neuen Gesellschaftsentwurf präsentiert. Trotzdem hievt Heuser einige abgestandene Debatten auf neue Gleise. Zum Beispiel die, ob „mehr Staat“ oder „mehr freier Markt“ die bessere Lösung sei. Die liege, so Heuser, eher in einem tieferen Verständnis dessen, was Menschen zu Entscheidungen bewegt und wie wenig berechenbar solche “Entscheidungslawinen” auf gesellschaftlicher Ebene sind. Damit  könnte die Politik ihre Aufgaben neu und klug definieren.

Dem Manager/Unternehmer zeigt dieses Buch, warum manche Anreiz-Systeme nach hinten losgehen, wie oft Menschen gegen die ökonomische Vernunft handeln und wie wenig sie sich berechnen lassen.

Heuser schreibt nicht vor, was konkret zu tun ist, legt aber den Blick frei auf eine wildere, wirklichere Wirtschaftswelt. Das macht ein bisschen demütiger – und hoffentlich weiser.

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