Buddha und Welt, Selbst bestimmt!

Was braucht ein starker Gründergeist?

Im Vergleich mit anderen Industrieländern wagen in Deutschland immer noch recht wenige eine Unternehmensgründung. Daher erschallen regelmäßig Rufe nach „mehr Risikobereitschaft“ und einer „Kultur des Scheiterndürfens“. Aber: Wird ein Mensch mutiger, wenn man ihn auffordert: „Sei mutig!“? Steht er schneller wieder auf, wenn man ihm zuruft: „Macht nix!“? Welche Qualitäten braucht es wirklich?

Menschen, die auf eigene Rechnung etwas unternehmen, brauchen diese Fähigkeiten: alleine stehen, gegen Widerstände die eigene Idee vertreten, im Nebel Kurs halten, Zurückweisung verdauen, anderen hellwach vertrauen, sich und seine Leistung richtig ein- und wertschätzen, Weisheit für Prioritäten, für Risikominimierung, für die richtige Tat zur richtigen Zeit hervorbringen.

Menschen, die aus der Asche steigen und weitermachen, brauchen diese Fähigkeiten: sich selber unter allen Umständen lieben, Enttäuschung in neue Hoffnung verwandeln, zur rechten Zeit loslassen, zur rechten Zeit beharren, Druck aushalten, Schulden aushalten, wieder gegen Widerstände eine neue Idee vertreten.

All diese Fähigkeiten speisen sich aus einem tiefen Selbst- und Lebensvertrauen. Letztlich sind es spirituelle Ressourcen, auf die es ankommt. Wer sie hat, ist sich ihrer oft gar nicht bewusst. Er – oder sie – „macht einfach“. Wer sie nicht hat, wird meistens nichts unternehmen, öfter scheitern und danach länger für einen Neuanlauf brauchen, oft ein Leben lang.

Diese spirituellen Ressourcen hervorzurufen, zu stärken und zu kultivieren – das wäre eigentlich die Aufgabe von Philosophie und Religion. Wie erfolgreich sind sie damit? Lassen sie auf breiter Ebene eine „Unternehmungslust“ entstehen – eine Aufbruchstimmung? Für mich besteht ein Zusammenhang zwischen den spirituellen Ressourcen eines Landes und der Stärke seines Gründergeists. Wenn hierzulande viel zu wenige etwas wagen, dann glauben hier auch zu wenige an sich selbst, an ein besseres Leben, an die Zukunft. Das lasst sich weder mit Fördermitteln beheben noch mit ein paar Coachings. Das sitzt tiefer und breiter.

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3 Kommentare

  1. Gepostet 8. November 2011 an 10:18 | Permalink

    Hallo Armin,

    ich habe gestern deinen Kommentar bei “Schreibkunst” gelesen und so hierher gefunden.
    Das Stichwort “WIR-Verwirklichung” hat mich dort richtig “gerissen”.
    Was ich hier allerdings über den “Gründergeist” lese, scheint mir immer noch sehr den einzelnen zu betonen.

    Ist es nicht der Unterschied zwischen einer Wettbewerbsgesellschaft und einer Communitiy, wo die Verstrickung im Überlebenskampf keine Rolle mehr spielt?

    Selbst-Vertrauen wird dann zu einem Kollektiv-Vertrauen auf einen tragenden Ur-Grund …

    Meine Visionen

    Mit herzlichem Gruß
    Marianne

  2. Gepostet 8. November 2011 an 17:36 | Permalink

    Danke, Marianne, dass du hierher gefunden hast!
    Da hast Du recht: Das mit der Wir-Verwirklichung ist mir erst gedämmert, als ich immer wieder über Wolf Schneiders Artikel nachdachte.

    Im obigen Artikel, wie bislang im ganzen Blog, geht es mir eher um die spirituellen Ressourcen, die es für Unternehmertum/Selbstständigkeit/Innovation braucht.

    Mit dem Gedanken der Wir-Verwirklichung stehe erst ich ganz am Anfang. Doch zwei wertvolle Blaupausen habe ich: 1) Der Nichiren-Buddhismus kennt das Prinzip von “itai doshin”. Das heißt in etwa: “verschiedene Indiviuen/Ansichten, aber vereint in der Absicht/im Herzen”. Innerhalb unserer Laiengemeinde üben wir dieses Prinzip anhand konkreter Projekte, und dieses Üben hat mich sehr verändert. 2) Erik Händelers Buch “Die Geschichte der Zukunft” nennt “Kooperationsfähigkeit” als wichtigste Zukunftseigenschaft. Damit meint er “itai doshin”, ohne von diesem Prinzip gehört zu haben. Mehr zu dem Buch findest du hier.
    Forschen wir also weiter!
    Liebe Grüße
    Armin

  3. Gepostet 8. November 2011 an 19:20 | Permalink

    Danke Armin, für diese wertvollen Hinweise.
    Ich war gerade dabei, in meinem eigenen Blog das Thema “Wir-Verwirklichung” aus einer entwicklungspsychologischen Perspektive ein bisschen zu fokussieren, als ich sie fand.
    Meine Moment-Einsichten dazu, habe ich hier aufgeschrieben: http://bewegungen.wordpress.com/2011/11/08/wir-verwirklichung/
    Mit herzlichem Gruß
    Marianne

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