Buddha und Welt, Selbst bestimmt!

Wenn Glaube die einzige Sicherheit gibt

Sind wir Künstler und Kreativunternehmer nicht von Natur aus religiös? So wie die frühen Menschen Blitz, Donner und Hagel ausgeliefert waren, so siedeln auch wir näher an den Unwägbarkeiten des Lebens als die rundum Sozialversicherten.

Wir ringen mit der Angst, im entscheidenden Moment zu fallen, mit der Angst, irgendwann keine Kraft, keine Lust, keine Ideen mehr zu haben, oder mit der Angst, im Niemandsland zu stehen. Wir erklimmen die Aussicht, dass das Leben schon weiter geht, mit neuen Kräften, neuen Möglichkeiten, egal wie düster das Hier und Jetzt sich offenbart. Uns nährt die Hoffnung auf den erlösenden Einfall, auf die Gewogenheit von Kunden und Publikum, auf den Durchbruch, auf den geglückten Vertrag, auf die goldenen Zeiten. Wir erleben die Zuversicht mitten in der Wüste, wenn nichts in Sicht ist weit und breit und dennoch der Kurs klar. Und wir leben vom Glauben, dass wir wertvoll sind, das Leben großzügig und das Ende gut wird.

Sind das nicht alles biblische Dramen? Sind das nicht Gefühle, von denen die Gospels künden? Nicht ohne Grund sind die meisten großen Künstler religiös. Wir arbeiten ständig mit dem Unberechenbaren, dennoch hält uns etwas, dennoch halten wir uns an etwas fest.

Ein Beamter kann ohne Glauben an sein Tun komfortabel überleben. Wenn wir hingegen den Glauben an unser Tun verlieren, ginge schnell nichts mehr, leerte sich das Konto, säße die Existenzangst jede Nacht fett bei uns im Sessel.

Ob wir es uns eingestehen oder nicht: Täglich nutzen und brauchen wir spirituelle Fähigkeiten, um uns innere Sicherheiten zu schaffen, wo außen keine sind. Bewusst werden uns diese Fähigkeiten oft erst, wenn sie abhanden kommen. Nach Brüchen, Knicken, Totalschäden. Wenns plötzlich nicht mehr von selbst läuft. Wenn man, wie der Buddhismus sagt, „sein Glück aufgebraucht hat“ – und sich neues schaffen muss.

Das sind schmerzhafte, aber interessante Zeiten. In ihnen kann man den Glauben bewusst lernen. In ganz eigenen Schritten. Eine gute Religion, ein guter Lehrer kann dabei wegweisend sein, weil nicht jeder Weg gehbar ist, weil nicht jeder Weg zum Ziel führt. Ich habe diese Zeiten erlebt und bin dem Buddhismus und meinem Mentor Daisaku Ikeda unendlich dankbar für die zuverlässige Begleitung. Was es zu gewinnen gibt? Ein tiefes Vertrauen in das Leben und seine Wirkkräfte. Nicht immer gleich stark und sofort, aber täglich aufs Neue und stetig stärker.

Es kann nicht falsch sein, das Leben als Abenteuer wahrzunehmen und dessen Unwägbarkeiten genießen zu lernen. Außerdem bleibt uns nichts anders übrig. Die rundum Abgesicherten werden dies erst begreifen, wenn ein Kamel durchs Nadelöhr muss.

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1 Kommentar

  1. Gepostet 19. September 2012 an 08:40 | Permalink

    Lieber Armin!

    DIESER Text hat mich so inspiriert und berührt und lachen und weinen gemacht; ich danke Dir für die Klarheit des Tages!

    Bis wiedermal und in tiefer Verbundenheit

    Renate

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