Buddha und Welt, Selbst bestimmt!

Einkommen und Glück [3]

Warum ist nie „Genug“? Warum erkennen wir so schwer das richtige Maß? Die Sucht, die uns wider besseres Wissen immer weiter raffen lässt, heißt Gier. Sie gehört im Buddhismus zu den „drei Giften“, neben Hass und Unwissenheit. Einige buddhistische Schulen haben versucht, der Gier durch Askese den Garaus zu machen. Meine Schule hält das aus zwei Gründen für zwecklos:

1)    Die drei Gifte gehören unauslöschbar zum Leben. Vor allem die Gier ist ein Überlebensprogramm so alt wie das Leben selbst. Sie hält lebendig. Wer versucht, alle Begierden in sich zu töten, müsste in letzter Konsequenz sich selber töten.

2)    Gier folgt dem Lustprinzip. Sie ist genauso geil wie der Geiz, ihr Zwillingsbruder. Will man sie „auslöschen“, bremst man damit automatisch auch Lebensfreude und Kreativität. Gier kann nur durch etwas ersetzt oder transformiert werden, was dauerhaft erfüllt, Spaß macht und bei Laune hält.

Daher kann ein praktikabler Buddhismus gar nicht asketisch oder antimaterialistisch sein. Welche Lösung aber hat er?

Wer die Gier lahmlegen will, muss die Unwissenheit bekämpfen. Sie ist von den drei Giften des Buddhismus die stärkste – und Produzentin der beiden anderen. Wer über sich selbst nicht Bescheid weiß, wer die Gesetzmäßigkeiten des Lebens nicht kennt, wessen Herz sich nicht ausdehnt in die Zusammenhänge des Daseins, der hat keine Chance auf ein befreites, glückliches Leben und bleibt den Strategien der Gier und des Hasses verhaftet. Der Buddhismus liefert die Werkzeuge, um diese Unwissenheit zu durchbrechen: Da ist zum einen die Ausübung, welche die eigenen Ressourcen an Weisheit mobilisiert, in unserer Schule hauptsächlich das Rezitieren von Nam-Myoho-Renge-Kyo. Zum anderen sind es die Herausforderungen des eigenen Lebens. Sie ermuntern uns, die frisch gewonnene Weisheit auszutesten. Der Erfolg der neuen Strategien produziert Freude und Lust, den Buddhismus weiter auszuüben, was wieder neue Erfolge produziert, und so weiter.

Dieser Prozess ist so tief greifend, dass wir ihn „menschliche Revolution“ nennen. Eine innere Revolution, in der alte Werte wie die Gier an Attraktivität verlieren und neue, kreativere Werte die Oberhand gewinnen. Eine Revolution, die viel abverlangt, aber immens Spaß macht.

Das ist ein Weg, wie sich der Kahlfraß unseres Planeten verhindern und trotzdem die Lebensqualität steigern ließe. Es ist auch ein Weg, der die Entzugserscheinungen lindert, wenn die Gier nicht mehr ungebremst walten kann, wie bei persönlichen und gesellschaftlichen Finanzkrisen. Eine andere, dauerhaft praktikable Strategie kenne ich nicht.

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