Buddha und Welt, Selbst bestimmt!

Einkommen und Glück

In den klassischen Industrieländern steigt die Lebenszufriedenheit ab einem Haushaltseinkommen von jährlich 35.000 $ nicht mehr wesentlich. Das schließen die Studien von D. Kahnemann, die oft in Glücksforschungsbüchern und Börsenratgebern zitiert werden.

35.000 $ – ein interessanter Betrag, wenn wir ihn philosophisch aufschlüsseln. Lassen wir es hierzulande 35.000 € oder gar 50.000 € sein, das mag je nach lokalen Lebenshaltungskosten und Berechnungsmodi variieren. Aber in dieser Spanne liegt der Wert, ab dem es unökonomisch wird, mehr materiellen Wohlstand zu erstreben. Der zusätzliche Stress lohnt den Aufwand nicht: Man hat zwar fünf Autos oder Häuser, aber auch mehr Wartungsaufwand – und kann sie niemals gleichzeitig genießen. Weitere Indizien sprechen dafür, dass dieser Betrag für ein Land wie unseres stimmt:

1)    Er reicht für die Teilhabe an der Gesellschaft: fürs mobil sein, kommunizieren, Konzerte und Restaurants besuchen. Er reicht für das Gefühl, anderen ebenbürtig zu sein. Und er reicht für den konzentrierten Genuss von Dingen.

2)    Er reicht nicht für pathologische Extravaganzen und sinnlosen Überfluss.

3)    Die Länder, in denen dieses Einkommen am häufigsten erzielt wird, sind auch am glücklichsten: Dänemark, Schweden, Österreich führen das Ranking des menschlichen Wohlergehens an – allesamt Länder mit einer (noch) breiten Mittelschicht und einer relativ egalitären Einkommensverteilung.

Wenn also so viel dafür spricht, dass dieser Betrag stimmt – warum wird dieses Wissen nicht zum Impuls für die Politik? Warum orientiert sie sich immer noch an den angelsächsischen Glaubenssätzen, wonach große Einkommensunterschiede unvermeidbar sind und für mehr „Dynamik“ sorgen? Warum ist diese Denke nach der Wirtschaftskrise nicht vollständig und lauthals diskreditiert worden?

Und wann wird die Zeit anbrechen, in der Menschen mit übermäßiger Gier nicht mehr Vorbild der Gesellschaft sind? Muss man links sein, für die Einsicht, dass wir andere Einsichten brauchen? Glaube ich nicht. Es genügt, über einen spirituellen Wohlstand nachzudenken, oder, wem das Wort nicht gefällt, über einen dematerialisierten Wohlstand. Weniger Zeug, mehr Lebensqualität. Weniger Besitz, mehr Nutzungskonzepte. Weniger Hamsterrad, mehr Zeit für die Seele und neue Lösungen. Weniger gieriges, verschleißendes und tötendes Kapital, mehr soziales, kreatives und spirituelles Kapital. Man muss den Kapitalismus nicht abschaffen. Unser Herz entscheidet, womit wir das System füttern.

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