Eben gelesen, Selbst bestimmt!

“Die netten Jahre sind vorbei” von Manuel J. Hartung und Cosima Schmitt

Wer wissen will, wie die jetzige Studentengeneration tickt, der erwerbe getrost dieses Buch. Es destilliert aus der heterogenen Gruppe der 20-35-jährigen ein WIR heraus, das mehr Bestand hat als die affigen Etikettierungen wie
Generation @, Generation iPod, Generation 0. Wie dies gelang?

Zum einen, weil an diesem Projekt nur Menschen arbeiteten, die dieser Altersgruppe auch angehören, was dem Buch eine authentische Stimme gibt. Zum anderen, weil für die Definition des WIR nur das herangezogen wurde, was alle in dieser Generation betrifft: die Ausbeutung der Berufsanfänger, die Bologna-Reform an den Unis, die veraltete Struktur der Parteien, die Situation der gebärfähigen Frauen, den drohenden Rentenkollaps. Nach diesen Lagebeschreibungen kommen die philosophischen Schlussfolgerungen. Und die sind tatsächlich – schlüssig.

Meine Überraschung als Leser: Obwohl mindestens zehn Jahre zu alt, konnte mich mit dieser Generation prächtig identifizieren – bis mir vorletzten Kapitel der Kampf angesagt wurde. Denn meine Generation, die Babyboomer, wird diese Generation mit ihren Rentenansprüchen angeblich ratzekahl fressen.

Darauf kann ich keine vollständige WIR-Antwort geben, aber zumindest die meiner befreundeten Altersgenossen: Wir betrachten unsere Rentenzahlungen eher als Dankbarkeitsbonus an die Generation vor uns. Ansonsten versuchen wir, diesem System zu entkommen oder uns bis ins hohe Alter arbeitsfähig zu halten oder genug auf die Seite zu legen. Euch einst total auf der Tasche zu liegen ist uns jetzt schon peinlich.

Gern stürzen wir dieses System mit Euch zusammen. Denn so zahlreich sitzen wir, die Babyboomer, noch nicht an den Schalthebeln der Macht, als dass wirs alleine schafften. An denen klebt momentan die Generation Eurer Eltern, die ihr, laut Eurem Buch, so sehr liebt und deren Werte ihr teilt.

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