Buddha und Welt, Eben gelesen

“Das Buch des Wandels” von Matthias Horx

Wie gehen Menschen am besten mit Krisen um?  „Coping“ nennt Horx das Meistern von schwierigen Zeiten. Er blickt zuerst auf ganze Kulturen und deren Coping-Fähigkeiten, dann auf das Individuum.

Als Negativbeispiel erzählt er die Geschichte der Maya: Wie deren Lebenssicht sich von der Wirklichkeit entfernte. Wie eine „Panikreligion“ entstand. Und wie sich schließlich eine Hochkultur selbst zerstörte. Das Fazit daraus: Für ein glückliches Überleben müssen wir lernen, unsere Angst zu zügeln und in Zuversicht zu verwandeln.

Doch gibt es dafür ein Rezept? Recherche, Wissenserwerb und Aufklärung sind sicher gute Zutaten: Was ich weiß, macht mir weniger Angst. Aber nie kann ich alles wissen, um „sicher“ entscheiden zu können. Fast immer muss ich bei ungewisser Faktenlage Entscheidungen treffen und gleichzeitig wandlungsfähig bleiben. Einerseits darf ich das Ungewisse nicht ausklammern, denn Tunneln führt unweigerlich zu Fehlentscheidungen. Anderseits soll mich das Ungewisse nicht vor Angst erstarren lassen.

Hier kommt der Glaube ins Spiel. Der beginnt, wo die hundertprozentige Gewissheit schwindet. Also immer und überall. Warum also nicht kritisch untersuchen, wie das geht: „richtig glauben“? Und weiter: Wäre eine Religion denkbar, die den Menschen hilft, Krisen zu meistern und sich in Richtung Glück und Wohlergehen zu entwickeln?

Als Buddhist darf ich freimütig zugeben: Religion ist menschengemacht – und sie ist für die Menschen da, nicht umgekehrt, also eine humanistische Dienstleistung füreinander. Und gern hätte ich einen breiten öffentlichen Dialog darüber, wie man Angst in Zuversicht verwandelt. Einen Austausch über die beste Coping-Strategie, wie man trotz aller Schwierigkeiten glücklich wird.

Momentan wird dieser Dialog breit, aber heimlich geführt: in den Behandlungszimmern der Therapeuten. Doch könnte nicht, wenn wir Religion wieder als öffentliche Angelegenheit betrachten, eine Art Meta-Religion entstehen, die uns lässt, wie wir sind, uns aber im Ziel vereint, das Leben mit Zuversicht, Mitgefühl und Pragmatismus zu meistern? Wie könnte das geschehen? Das ist nur einer von goldenen Fäden dieses Buches, die ich weiterspinne.

Einen Schlüssel enthält der Epilog des Buches: Yes we can. Nicht von Obama handelt er, sondern von Island nach seinem wirtschaftlichen Absturz. Horx erzählt, was sich dort seither tut. Die Isländer haben ihre Politiker mit Kochtöpfen aus der Verantwortung getrommelt und sich dann selbst an die Arbeit gemacht. Sie haben sich Räume fürs gemeinsame Nachdenken geschaffen. Gemeinsam blicken sie der Realität ins Gesicht und suchen Lösungen. Mit maximaler Beteiligung: die Hausfrau, der Manager, der Schreiner, der Pfarrer, der Arbeitslose – sie hören und vertrauen einander trotz ihrer Unterschiede. Was Island anbelangt, da bin ich zuversichtlich. Was mein Land anbelangt, nun: Hätten wir im Falle einer solchen Katastrophe die geistigen Ressourcen für einen konstruktiven Neustart? Wenn nein, warum nicht?

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1 Kommentar

  1. Dirk
    Gepostet 20. Oktober 2010 an 19:01 | Permalink

    Wir können Angst in Zuversicht verwandeln, wenn wir uns selbst lieben und aus dieser Liebe heraus andere lieben. Das ist manchmal sehr schwer, wenn diejenigen, die wir lieben sollen, nicht liebevoll mit uns und unserer Umwelt umgehen. Aber es wird gerade dann spannend, wenn wir die fiesen Ekel dieser Welt als Kinder Gottes begreifen wollen. Und es wird spannend, wenn wir selbst richtig versagt haben und uns dennoch lieben sollen.

    Gott hat mich so gemeint – mit allen Fehlern, die ich selbst habe. Deshalb darf ich mich und andere lieben. Wir müssen uns klar machen: Ich liebe, und ich bin geliebt. Ich habe die Kraft zur Veränderung. Weil ich geliebt bin, kann mir dabei nichts passieren.

    Das geht auch bei uns in Deutschland. Es gibt hierzulande so viele Menschen, die einander so viel geben – lasst uns das nicht schlecht machen.

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