Buddha und Welt, Eben gelesen

“Das Buch vom Glück” von Daisaku Ikeda

„Weisheitsbücher“ beäuge ich kritisch. Weises schreiben können viele, Weises schreiben kann man viel. Doch es ist ein großer Unterschied, ob jemand nur schreibt, wie alles besser sein könnte – oder ob er seine Weisheit durch sein Leben bewiesen hat. Die Bücher der ersten Sorte sind Falschgeld. Die letzteren sind „life-proof“ und Gold wert.

Daisaku Ikedas Ausgangsituation mit 19 Jahren: Die Familie – arm und ohne Privilegien. Der Vater – krank und erwerbsunfähig. Der älteste Brüder – im Krieg gefallen. Er selbst begann sein Leben bitterarm, zutiefst verzweifelt und todkrank. Die Ärzte sagten, mit seinem TBC würde er sein 30. Lebensjahr nicht erleben.

Heute ist Daisaku Ikeda 82 Jahre alt. Die Liste des Erreichten ist lang: Er hat ein großes schriftstellerisches Werk geschaffen, eine buddhistische Gemeinschaft durch viele Krisen gelotst und damit viele Millionen Menschen zur Erneuerung ihres Lebens inspiriert, er hat Universitäten, Schulen und Kindergärten gegründet, eine Organisation für weltweiten Kulturaustausch und ein Institut für Friedensforschung ins Leben gerufen.

Er lebt, was er schreibt. Und er schreibt was er lebt. Seine Unterweisungen waren für mich selten angenehm, aber die Durchbrüche zur Freiheit, zu meinem wahren Selbst und zu mehr Mitgefühl – sie kamen und sie kommen immer noch. Er hält, was er verspricht. Ich verdanke ihm viel.

Ikedas Buch vermittelt die Philosophie Nichirens, eines buddhistischen Reformers aus dem mittelalterlichen Japan. Was ich an ihr schätze, ist ihre Schlüssigkeit und ihr Mangel an Esoterik. Alles Wissen liegt offen da und ist allen zugänglich. Es gibt nichts Geheimes, kein weiteres „Eingeweihtsein“ – nur die eigene Bemühung und Erfahrung. Und sie lässt sich in einem einzigen Buch darlegen – wie in diesem geschehen.

Wer das Leben verstehen will, so Nichiren, muss sich zuerst mit dem Tod beschäftigen. Daher erläutert Ikeda die buddhistische Sicht auf die vier Grundleiden des Menschseins: Geburt, Krankheit, Alter und Tod. Ein existenzielles Verstehen dieser Leiden befreit von der Lebensangst – und eine Kraft kann sich aufbauen, die jeder Herausforderung des Lebens gewachsen ist. Genau das bedeutet – in Nichirens Philosophie – Glück. Um dieses Verständnis und diese Kraft täglich aufs Neue hervorzubringen, schuf Nichiren eine dynamische, alltagstaugliche Meditation. Auch sie wird in diesem Buch erläutert. Es ist die einzige Meditation, die ich zwanzig Jahre durchhalten konnte. Weil sie immer wieder glücklich macht.

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