Eben gelesen, Selbst bestimmt!

“Bazar statt Börse” von Conor Woodman

Der Autor verkauft seine Londoner Wohnung, nimmt davon 50.000 $ und reist damit um die Welt. Den Betrag will er unterwegs durch Warenhandel verdoppeln und dabei herausfinden, ob der Handel von Mensch zu Mensch noch so funktioniert wie zu Seidenstraßenzeiten. Er reist ostwärts um den Globus, über Marokko, den Sudan, Sambia, Südafrika, Indien, Kirgisien, China, Taiwan, Mexiko, Brasilien und zurück nach England. Er handelt mit Teppichen, Kaffee, Chilisoße, Wein, Pferden, Jade, Surfbrettern, Oolong-Tee, Fisch, Tequila und nachhaltig angebautem Teakholz. Jedes neue Kapitel beginnt mit einer Bilanz. Lange sieht es nicht danach aus, als würde der Autor sein Ziel erreichen – erst gegen Ende der Reise gelingen ihm ein paar große Würfe. Er verdankt sie seinem wachsenden Geschick geschuldet und den chancenreicheren Ländern Südamerikas, die er zuletzt bereist.

Was lässt sich von dem Buch lernen? 1) Handle nie mit Vieh, weil niemand den eingesessenen Viehhändlern gewachsen ist. 2) Handle nie mit etwas, wovon du nichts verstehst. 3) Investiere in Menschen, die Dir einen direkten Marktzutritt schaffen. 4) Handle am besten dort, wo sich die Kaufkraft kürzlich und drastisch erhöht hat, wie in Mexiko und Brasilien. 5) Sorge dafür, dass Du über dein Produkt eine gute Geschichte erzählen kannst. 6) Misstraue allem und jedem, denn überall wird geflunkert, misstraue aber nicht allzu sehr, sonst verlierst du den Spaß. 7) Qualität ist Voraussetzung, doch letztlich entscheidet immer der Preis.

Beeindruckt hat mich der letzte Punkt: Selbst im hintersten Winkel der Welt scheint es nicht mehr möglich, wirklich hohe Margen zu erzielen. Alle Marktteilnehmer scheinen durch informelle und digitale Netzwerke sehr gut informiert. Fast immer sind die Margen, die der Autor als Zwischenhändler erzielt, dem Käufer bekannt. Man kann also kaum noch mit verdeckten Karten spielen.

Sind das trotzdem nicht alles Binsenweisheiten? Ja. Aber das Buch ist mit einer ausreichenden Dosis Selbstironie geschrieben, dass es sich genauso gut als Reisebericht lesen lässt, als Panoptikum des globalen Händlertums.

Und eine schöne Nebenwirkung hatte es: Ich habe die Scheu vor dem Feilschen verloren. Gute Geschichten sind eben besser als so manches aufdringliche Ratgeberbuch.

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