Buddha und Welt

Ausstieg von was?

Nach drei Tagen Zittern, Tränen und vielen Stunden buddhistischer Ausübung wieder einigermaßen gefasst. Ist es unverschämt, in diesen Stunden zuversichtlich zu sein? Ich traue Japan zu, dass es diese Krise meistert und sich rundum erneuert. Vielleicht schafft es sogar ein Modell für eine post-atomare Zivilisation für uns alle. Und ich traue meinen buddhistischen Kameraden dort zu, dabei künftig eine wesentliche Rolle zu spielen.

Hierzulande sehe ich viele Ausrufezeichen und wenige Fragezeichen, deshalb setze ich ein paar:

Zuerst die politischen: Haben wir unserer Regierung auf die Finger geschaut, als sie die Laufzeiten neu verhandelte? Gab es Auflagen, dass die Gewinne aus abgeschriebenen Reaktoren reinvestiert werden – zum Beispiel in die Entwicklung von zukunftsfähigen Energiesystemen? Oder hat sie die Sicherheit aller zum Profit von wenigen verscherbelt?

Dann die persönlichen: Sind wir bereit für massive Investitionen in ein neues Energiesystem und in energiesparende Technologie? Was sind wir / bin ich bereit zu geben für einen Energie-Umbau?

Und die ganz großen Fragen: Wie kommen wir länderübergreifend zu einem neuen Konsens? Wie gelangen ganze Gesellschaften zur Bereitschaft, für das Wohl aller etwas herzugeben? Wie kommen wir zu einer globalen Philosophie, die so viel Freude am Umdenken freisetzt, dass aus dem „Opfer fürs Ganze“ ein gern gegebenes Geschenk wird? Müssen wir uns nicht von der Idee des bisherigen „Wohlstands“ verabschieden und einen neuen Wohlstand in uns fühlbar und erstrebenswert machen? Welche Lebensphilosophie schafft diesen inneren und äußeren Aufbruch?

[Es mag andere geben, ich kenne nur eine, die konsequent und langfristig dieses Projekt des „neuen Wohlstands“ verfolgt: Das ist der Buddhismus Nichirens und wie ihn seine Laienbewegung, die Soka Gakkai, lebt.]

Weiter mit den Fragen: Jetzt schlicht den „sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie“ zu fordern – ist das nicht zu billig, so lange keiner wirklich den Preis dafür zu zahlen bereit ist? Geht es nicht schließlich um massive Investitionen und daher auch Einschränkungen? Bräuchte es nicht parallel zum Ausstieg den Einstieg in etwas Neues, eine Neubewertung des Lebens, einen Einstieg in das, was langfristig glücklich macht? Könnte so ein Einstieg völlig neue Bedürfnisse wecken und, um diese zu erfüllen, eine völlig neue Wirtschaft?

Letzte Frage: Wie kommen wir weltweit für dieses Ziel zusammen?

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